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Lichtblicke Österreichs — Chromotopia Austria

Lichtblicke Österreichs

1945     80 Jahre Freiheit     Geburt der Zweiten Republik Österreich
1955     70 Jahre Souveränität     Unterzeichnung des Staatsvertrags
1995     30 Jahre Europa     Österreichs Beitritt zur Europäischen Union


Victoria Coeln
Chromotopia Austria

Im Auftrag der Burghauptmannschaft Österreich verwandelt die Licht- und Medienkünstlerin Victoria Coeln den Heldenplatz und die Neue Burg jeden Abend und Morgen in ein großes, begehbares Lichtkunstwerk.

Chromotopia Austria verbindet die Symbole der „Lichtblicke Österreichs“. Eingebettet in Licht- und Schattenraster überschreiben sie das historische Areal, eröffnen neue Perspektiven und möchten das Bewusstsein für die aktive Teilnahme an Demokratie stärken.

1945
Gesprengte Ketten: Geburt der Zweiten Republik

Für die Staatsjubiläen wählte Victoria Coeln bedeutungsstarke Symbole, die die demokratische Entwicklung der Vergangenheit und Gegenwart Österreichs nachzeichnen und mit Freiheit, Souveränität und Europa verbunden sind. 1945 erhielt der Adler im Staatswappen gesprengte Ketten. Sie symbolisieren die Befreiung von Unterdrückung, die Wiedererlangung der Unabhängigkeit nach der nationalsozialistischen Diktatur und den Wiederaufbau des Staatswesens ab 1945 – und somit einen aktiven Schritt in die Freiheit. Sie sind bis heute Symbol einer souveränen Republik.

15. Mai 1955
Österreich ist frei: Unterzeichnung des Staatsvertrags 

Der Balkon des Oberen Belvedere überschreibt als Rasterprojektion den Balkon der Hofburg oder genauer den Altan am Heldenplatz. So überschreibt heute die Botschaft des Staatsvertrags, mitten im politischen Zentrum Österreichs, das hartnäckige Symbol der Zerstörung von Freiheit und Leben. „Österreich ist frei!“, hatte Leopold Figl ausgerufen, als der Vertrag zur Mittagsstunde des 15. Mai 1955 im Marmorsaal des Oberen Belvedere endlich unterzeichnet war. Als Figl auf den Balkon trat und ihn den begeisterten Menschen im Park entgegenhielt, läuteten im ganzen Land die Glocken. Das neue Österreich hatte das Licht der Welt erblickt. 

Schon zu den Jubiläumsfeierlichkeiten 2005 fuhr ein mobiler Balkon mit einem Kranwagen, auf dem die Bevölkerung die Szene nachspielen konnte, durch Österreich. Diese Inszenierung und Wiederaufführung ließ allerdings eine Auseinandersetzung mit dem zutiefst demokratischen Gehalt des Staatsvertrags vermissen, auf den Chromotopia Austria nun aufmerksam machen möchte. Aus demokratiewissenschaftlicher Sicht ist der Staatsvertrag eines der wichtigsten Dokumente der Republik: Er enthält Verpflichtungen wie die Einhaltung der Menschenrechte, Minderheitenschutz und Demokratieschutz, die alle auch miteinander korrespondieren. 

1995
Zwölf Sterne: Österreichs Beitritt zur EU

Bereits im Jahr 1955 wurden die zwölf Sterne in der Flagge des Europarats zum Symbol Europas. Drei Jahrzehnte später machten sich die Europäischen Gemeinschaften dieses Symbol zu eigen. Seit damals stehen sie für Vollkommenheit und Einheit als Zusammenschluss demokratischer Staaten. Als Österreich 1995 der EU beitrat, übernahm es den gesamten Rechtsbestand – damals aktuell den Maastrichter Vertrag über die Europäische Union –, worin sich mehrmals Bekenntnisse und Erläuterungen zur Demokratie als Arbeitsweise der EU und ihrer Mitgliedstaaten finden.

Laufzeiten des Lichtkunstwerks

1. Oktober 2025 bis Mitte Jänner 2026, täglich von Sonnenuntergang bis Mitternacht sowie in den Morgenstunden bis Sonnenaufgang.

Victoria Coelns Licht- und Schattenraster
Kerstin Jesse, Kunsthistorikerin und Kuratorin

Victoria Coelns künstlerische Arbeit ist polydimensional: Mehrere Realitäts- und Gedankenebenen ergeben ein neues großes Ganzes. Teile des komplexen Hofburgareals werden aus ihrer vertrauten Erscheinung gehoben, respektive durch die Lichtarbeit mit zusätzlichen Inhalten aufgeladen und in einen Erlebnisort verwandelt, der Raum für neue Gedanken, Assoziationen, Diskussionen und Fragen öffnet. Der historische wie architektonische Bestand gewählter Orte ist immer Teil und Mitträger der künstlerischen Aussage. Das Nebeneinander von Helden- und Verbrechertum macht das gesamte Areal zu einem paradigmatischen Ort, was kriegerische Auseinandersetzungen, politische Positionen und deren Auswirkungen betrifft. Die Intervention verweist auf die politische wie gesellschaftliche Komponente, die für Victoria Coelns Lichtarbeiten essenziell ist. Es geht dabei nicht um eindeutige Antworten auf komplexe Fragestellungen, es geht um Anregungen, um einen Impuls, Positionen zu überdenken, um offene Diskussionen.

Das Raster, ein seit dem 20. Jahrhundert häufiges Motiv, oft auch autonomes Bildthema, steht für Gleichförmigkeit, Ordnung und Unpersönlichkeit. Es ist ein antihierarchisches System oder, wie Sigmar Polke es für sich definierte, „eine Methode, Struktur. Es zerlegt, streut, ordnet.“ Doch bietet gerade das Raster die Möglichkeit, durch eine Abweichung, durch Brüche in der Struktur eine Irritation oder „Störung“ herbeizuführen. Bei Victoria Coeln ist die Störung dieser Systematik gleichbedeutend mit dem Aufbrechen einer strengen Logik. Die Belebung oder Brechung des Rasters in ihrer künstlerischen Arbeit kann durchaus gesellschaftskritisch gelesen werden. Wie starr, wie offen ist unsere Gesellschaft? Wo stecken wir unsere eigenen Grenzen ab, wo erweitern wir unseren Raum? Hier sind die Symbole in Licht- und Schattenraster eingebettet und verbinden als Sinnbild für gesellschaftliche Raster die Neue Burg mit dem Heldenplatz.

Lichtblicke Österreichs
Helmut Wohnout, Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs


Licht&Schatten-Touren der Wiener Lichtblicke